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Wohnungen und Immobilien in Tübingen. Durch den ständigen Zu- und Wegzug von
StudentInnen und akademischem Personal hat Tübingen eine große Fluktuation. Entsprechend
viele Miet- und Kaufgesuche gibt es daher. Leider ist der Markt zur Zeit nicht mehr so entspannt, wie in früheren Jahren. Klein, rar und teuer, darauf muss man sich inzwischen einstellen. Und große Wohnungen in Tübingen zu finden, wird immer schwieriger. Laut Preisspiegel der deutschen Makler hatte in 2004 Tübingen nach München die zweithöchsten Immobilienpreise in Deutschland.
Ich bin kein Makler, sondern nur ein langjähriger Bewohner Tübingens. Deshalb sind meine Hinweise nicht professioneller Art, sondern allgemeine Tipps, die ich auch guten Freunden geben würde. Wohnungssuchende, wie Wohnungsanbieter treffen sich im Portal des Tübinger Wohnungsmarktes.
Gleich eine Warnung voraus: So reizvoll Tübingen für kurze Besuche sein wird, so problematisch kann es sein, hier wirklich zu wohnen. Besonders wer auf das Auto angewiesen ist, wird unangenehme Überraschungen erleben. Selbst wenn man einen reservierten Parkplatz hat, kann man für kurze Wege in der Innenstadt kilometerweite Umwege fahren müssen. Oder wer in die Stadt einpendeln muss, wird jeden Morgen und jeden Abend durch absichtlich ungünstig geschaltete Ampeln (Pförtnerampeln) eine Rush-Hour erleben, die durchaus mit Megametropolen vergleichbar ist.
Die öffentliche Stadtverkehrsmittel (TÜBUS) sind zwar während der Wochentage tagsüber ausgezeichnet, aber in den Nacht- und Wochenendzeiten oft ausgesprochen dünn. Man sollte also - gerade in Tübingen - seinen Wohnort unbedingt sorgfältig mit dem Arbeitsort abstimmen. Es ist sicher allgemein bekannt, dass fast überall in Tübingen sich Universitätsgebäude befinden und es keinen zentralen Campus gibt. Wer sich also nach einem speziellen Institut orientieren will, sollte wissen, wo genau dann der Arbeitsplatz sein wird. Mein Rat: Man versuche immer eine Wohnung so zu wählen, dass man entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad die wichtigsten täglichen Wege zurücklegen kann. Und man bei schlechtem Wetter auf den Bus umsteigen kann. Dabei gibt es beim Busfahrplan große Unterschiede. So fährt die Nummer 5 sehr häufig, andere Linien haben wesentlich geringere Frequenz. Wer auf die Teil/Vororte ausweichen will, sollte die Reichweite des Stadtverkehrs bedenken. So ist Hagelloch gut an die Stadt angebunden, aber Bebenhausen schon nicht mehr. Wer ins Auto einsteigen muss, um seine Arbeit zu erledigen, kann durchaus auch weiter entfernte Orte wählen. So macht es für die Autofahrt kaum einen Unterschied, ob man in Unterjesingen wohnt oder in Breitenholz. Denn der heftige, tägliche Stau ist immer direkt um die Stadt und dort verbringt man die Zeit und verliert man seine Nerven.
Auspendeln aus Tübingen ist ein geringeres Problem. Dies ist einer der Gründe, warum man hier viele Computerleute vorfindet, die ihr Geld in Herrenberg, Sindelfingen oder Böblingen verdienen. Sehr problematisch ist dagegen ein Arbeitsplatz in Stuttgart. Jeden Morgen ist die B27 (neu) verstopft und mit dem Zug muss man einen Riesenumweg über Reutlingen, Nürtingen, Plochingen, Esslingen fahren. Dies kostet nicht nur viel Zeit, sondern ist auch teuer. Der nächste Flughafen ist Stuttgart-Echterdingen. Er ist in Luftlinie nicht weit weg, aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert es mindestens eine Stunde, bis man dort ist. Die einzige Express-Verbindung Tuebingen - Airport Stuttgart ist das teure Taxi. Unproblematisch ist die Schulsituation. Es gibt von Grundschulen bis zu den Gymnasien eine große Auswahl. Und wer das richtige Fach studieren will, muss Tübingen auch nicht verlassen. Tübingen hat meiner Meinung gute Voraussetzungen, den Titel Elite-Uni offiziell und verdient verliehen zu bekommen. Leider aber hat es 2006 dazu nicht gereicht. Trotzdem gehen manche junge TübingerInnen gerne in andere Studienorte, sei es dass sie einfach die Enge der Stadt einmal verlassen wollen oder weil einige, wenige Bereiche der Uni keinen guten Ruf haben (man verfolge dazu die beliebten Uni-Rankings oder befrage KommilitonInnen oder man sehe sich einfach die Internetauftritte an. Sind diese schlecht, dann kann man auch den Schluss ziehen, dass auch sonst die Lehre nicht besonders ist). Problematisch wird inzwischen die Versorgungssituation. Immer mehr Geschäfte in der Kernstadt und in Teilorten schließen und da kann der Kauf von Lebensmitteln schon schwierig werden. Obwohl die medizinische Versorgung hier sehr gut ist, so ist Tübingen nicht unbedingt ein guter Platz für alte Menschen. Die 'Berge' und das Kopfsteinpflaster machen die Innenstadt für alte Leute und übrigens auch für Radfahrer und Rollstuhlfahrer, vor allem im Winter, fast unpassierbar. Es fehlt an Seniorenfreundlichkeit, vor allem immer noch durch fehlende Sitzbänke. Und wer hier nicht aufgewachsen ist, wird auch Probleme mit dem chaotischen Verkehr und der 'rücksichtslosen Jugend' bekommen. Tübingen ist eine gute Oase für Ausländer. Da es durch die Universität schon sehr viele gut gebildete und gut situierte Ausländer hier gibt, wird man kaum Probleme mit seiner Herkunft oder auch Hautfarbe bekommen. Hilfreich sind dabei auch die zum Teil überragenden Fremdsprachenkenntnisse in der Stadt. Allzu Vorsichtigen sei verraten, dass Tübingen am Rande eines aktiven Erdbebengebietes - dem Hohenzollerngraben - liegt und es gelegentlich hier wackelt. Die Stadt Tübingen liegt in der höchsten lokalen Gefahrenzone 3 und kann demnach alle 500 Jahre ein Erdbeben bis zu EMS 7,5 erwarten. Und Lärmepfindliche finden ihre Ruhe durch häufige Rettungssirenen, sowie manchmal Helikopterverkehr zu den Kliniken und selten auch - bei Ostwind - durch Flugzeuge im Anflug nach Stuttgart gestört. Dafür habe ich hier in den letzten Jahren noch nie den Überschallknall von Militärjets gehört! Neubürger aus anderen Landesteilen vermissen in Tübingen vor allem das Wasser. Es gibt im weiten Umkreis keine Seen, die diesen Namen verdienen. Die Baggerseen sind da nur ein schlechter Ersatz und der Bodensee ist weit weg. Auch der Wind fehlt hier vielen, es ist oft windstill, mit all den angenehmen und unangenehmen Folgen. Und Küstenbewohner stört dann noch zusätzlich die hier eher trockene Luft, die jedoch sicher erträglicher als zu hohe Feuchtigkeit ist. Das nächste Kernkraftwerk ist in Neckarwestheim, nördlich von Stuttgart, etwa 60 km Luftlinie von Tübingen entfernt. Es gibt im Stadtgebiet Tübingens zwei Wasserkraftwerke am Neckar, ein Blockkraftwerkin der Südstadt und seit 2000 ein zweites gasbetriebenes Blockkraftwerk westlich von Waldhäuser Ost, das auch gleichzeitig Fernheizwerk ist. Im Zentrum, in der Brunnenstraße, versorgt ein ebenfalls gasbetriebenes Heizkraftwerk nicht nur die Universitäts- sondern auch andere Verwaltungs- und Privatgebäude in der Innenstadt mit Wärme speist eine nicht unerhebliche Menge Strom in das Netz der Stadtwerke ein. Tübingens Müll wird südlich der Stadt in Dußlingen entsorgt. Die Hauptkläranlage ist östlich von Lustnau am Neckar. Der Schlachthof in Tübingen am Österberg wurde aufgegeben, was die Wohnlagen dort stark verbessert hat. Immer wieder liest man in Tübingen von den Begriffen der 'reichen Oberstadt' und der 'armen Unterstadt'. Diese Unterscheidung ist schon lange nicht mehr relevant. Aber es gibt andere Grenzen, die fast unüberwindlich zu sein scheinen. Die wichtigste Tübinger Trennlinie ist die Eisenbahn. So sind nördlich der Bahn die Wohnungen wesentlich attraktiver, d.h. natürlich auch teurer, als südlich davon. Dabei hat das Sübingen (das südliche Tübingen, die Südstadt) auch durchaus seine Reize, aber das soziale Gefälle fällt sogar einem durchfahrenden Besucher gleich auf.
Inzwischen abgeschlossen ist die Entwicklung auf dem ehemaligen Kasernengelände, das heute (immer noch) von der wichtigsten Verkehrsader, der B27, durchtrennt wird. Loretto liegt nördlich davon, das französische Viertel isoliert südlich.
Die Situation dort wird sich schlagartig verbessern, wenn die Verkehrsverhältnisse (z.B. durch den geplanten Schindhautunnel) geändert werden.
Eine andere Trennung erfolgt durch die Höhenlage. In der Stadt unten wird die Luft wegen Autoabgasen und Heizungsemissionen allgemein als schlecht angesehen. Die Höhenlagen Österberg, Wanne, Waldhäuser Ost und in Lustnau-Stäudach und auch Pfrondorf haben wesentlich frischere Luft, sind im Winter dadurch auch kälter, aber im Sommer angenehmer zu ertragen. Fast ländlich-dörflichen Charakter haben die Teilorte. Besonders Hagelloch kann man als Dorf ansehen, eine Eigenschaft, die von allen Bewohnern außerordentlich geschätzt wird. So kenne ich in Hagelloch nur Menschen, die mit ihrer Wohnlage zufrieden sind und dies will was heißen. Tübingens wichtigster 'katholischer' Teilort ist Hirschau. Allerdings ist die religiöse Orientierung in Tübingen kaum mehr relevant. Obwohl Tübingen eine Hochburg des Protestantismus ist, ist außer im Straßenbild (katholisch = geschmückt, evangelisch = karg) die Religion für die Wohnungslage nicht mehr bedeutungsvoll. Die Kirchengemeinden formen sich, wie in den USA, eher aus Gleichinteressierten, die in der Kirche zusammenkommen und dafür auch weitere Wege in Kauf nehmen, als aus den Bewohnern des nahen Umfeldes des Kirchengebäudes. Selbst Fasnet-Freunde können sich inzwischen in der Altstadt produzieren.
Weitere wichtige Daten stellt das Statistische Landesamt Baden-Württemberg zur Verfügung. Neu ist das Portal des Tübinger Wohnungsmarktes und vielleicht einen Test wert. Dort ist auch ein Mietspiegel zu finden Unbezahlbar für Informationen ist das Adressbuch Tübingen. Man bekommt es in jeder Buchhandlung in Tübingen, es erscheint alle 2 Jahre, zuletzt 2009, und es enthält auch immer den neuesten Stadtplan. Leider ist es nicht gerade billig. Brauchen wird man auch das Örtliche Telefonbuch, das es gratis (allerdings nicht immer) bei den Postämtern gibt. StudentInnen finden im Vorlesungsverzeichnis genügend Informationen. Erste Adressen für Wohnheime, Wohngemeinschaften und Zimmervermittlung sind
Für Inserate wird man entweder das Schwäbische Tagblatt (mit dem Tagblatt Anzeiger) oder das Tübinger Wochenblatt (Lange Gasse 19, 72070 Tübingen, fon 07071 - 9206- 0, fax - 13) einsetzen. Besonders der Mittwoch-Markt des Tagblatts ist eine effiziente Plattform, das Richtige zu finden, die meisten Angebote sind in der Samstagausgabe. Eine beliebte Unterkunft für die Zimmersuche ist die Jugendherberge, die sehr praktisch und auch schön am Neckarufer in Altstadtnähe gelegen ist. Hilfe beim Einleben in Tübingen, u.a. auch mit Zimmern, gibt es ebenfalls bei den Verbindungen (Korporationen). Zum Kennenlernen der Altstadt empfehle ich den stets aktuellen KARTOPLAN, den Altstadtplan von Harry Rey, den man in den meisten Buchhandlungen kaufen kann. Schon im eigenen Interesse sollte man - auch als StudentIn - in Tübingen seinen Erstwohnsitz anmelden. Alles über den Umzug nach Tübingen erfährt man beim Bürgerservice der Stadt im Bürgeramt (in der Schmiedtorstraße 4, Parken im Parkhaus König), Formulare für die Anmeldung gibt es auch im Internet. Die aktuelle Richtwertkarte für Immobilien gibt es im Stadtvermessungsamt im Technischen Rathaus in der Brunnenstraße 3. Dort gibt es auch den jeweils aktuellen Jahresbericht. Einen qualifizierten Mietspiegel wird Tübingen ab Mitte 2010 haben. Makler sucht und findet man im Internet und in den Gelben Seiten.
Hintergrundinformationen
zu Tübingen Gerne kokettiert Tübingen mit dem Focus-Prädikat 'Stadt mit der höchsten Lebensqualität in Deutschland' (aus 1995). Bei aller Liebe zu Tübingen, diese Auszeichnung muss jemand vergeben haben, der hier nicht wohnt. Zuviel fehlt: Restaurants der Mittelklasse mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis, Trinkwasserbrunnen, genügend Sitzgelegenheiten, nahe Lebensmittelgeschäfte, gute Fußwege, gute Radwege und Radabstellplätze, Veranstaltungsräume und -plätze. Tübingen ist eine Insel. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Menschen in Tübingen sind so von der Realität der Welt abgeschnitten, wie sie abgeschnitten von den Verkehrsströmen sind. Wenn man aktiv sein will, muss man weg aus Tübingen. Für Konzerte nach Stuttgart, zum Einkaufen nach Reutlingen, zum Feiern nach Rottenburg, nur fürs Demonstrieren eignet sich die Stadt gut. Wenn es um linke Themen geht, hat man dazu auch stets die Unterstützung des Tagblatts. Die Folge der Inselsituation ist Inzucht, die merkwürdige Blüten hervorbringt, z.B. eine Intoleranz, die man am besten in den Leserbriefen richtig beurteilen kann. Dort sind vor allem die häufigen Beiträge der diversen "Schützer", meist grüner Herkunft, auffällig. Natürlich ist das mittelalterliche Stadtbild sehenswert, aber es wird von Menschen gefüllt, die anderswo nur geringe Chancen hätten. Und die auch gar nicht den Wunsch haben, irgend etwas zu ändern, weil der notwendige Geldsegen durch die Universität so sicher erscheint. Am meisten fällt mir auf, wie viele weltfremde Akademiker es - neben den brillianten Wissenschaftlern und Ärzten - in der Gelehrtenrepublik Tübingen gibt. Wie einige hoch intelligente Fachidioten das kleingeistige Leben prägen. Menschen, die nie den Konsens, sondern immer nur den Streit suchen. Wähler und Wählerinnen, die Ideologien wählen, aber keine Verantwortung für die Stadt übernehmen. Tübingen will eben Illusionen und keine Realität. Ideologie zählt mehr als Praxis. So wird unheimlich viel Geld für unsinnige Verkehrsbauten ausgegeben, um Autofahrer zu ärgern, aber es gibt keinen einzigen Radweg in der Kernstadt, der diesen Namen auch verdient hätte. Man will mit viel Geld neue Touristen anlocken, aber Hunderttausende von Medizintouristen, die zu den Kliniken in der Stadt kommen, verärgert man durch allerlei Schikanen so, dass sie garantiert nie wieder freiwillig den Fuß in die Stadt setzen werden. Es gibt viele Engagierte in Tübingen, die versuchen, etwas zum Wohl der Stadt zu machen. Sowohl die Ehrenamtlichen, wie auch die bezahlten Menschen, die sich anstrengen, mehr Arbeit und vor allem mehr Geld in die Stadt zu bringen. Denn Geldmangel ist die Hauptkrankheit Tübingens. Der Undank ist ihnen meist sicher. Viele Menschen, deren Kreativität die Stadt dringend brauchen würde, gehen deshalb auch wieder weg oder ziehen sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Wer hier seine Zelte dauerhaft aufschlagen will, sollte dies bedenken. . |
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