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24.12.2015 - Thomas Krammer

Walter Tigers verlieren 96:109 gegen die Telekom Baskets – Trainer Perovic tritt zurück


TÜBINGEN – Keine Weihnachtsbescherung für die WALTER Tigers Tübingen: Vor 3132 Zuschauern in der ausverkauften Paul Horn-Arena verloren die Raubkatzen ihr Heimspiel gegen die Telekom Baskets Bonn mit 96:109 (60:56). Trainer Igor Perovic warf nach dem Spiel das Handtuch und wird am Sonntag gegen Ulm nicht mehr auf der Bank sitzen.

Die Partie war geprägt von ehr mäßigen Verteidigungsleistungen beider Kontrahenten, in der ersten Halbzeit trafen beide Teams hochprozentig. Für die Zuschauer war es ein interessantes Hin und Her. In der zweiten Halbzeit wechselte die Mannschaft von Trainer Carsten Pohl auf eine effektive Zonenverteidigung um, die Raubkatzen kamen mit dieser Spielweise überhaupt nicht klar und verloren am Ende deutlich. Das Spiel des Gastgebers beschränkte sich leider auf wilde Einzelaktionen. "Ich bin natürlich sehr glücklich über diesen Sieg. Wir hatten aber auch Glück, dass Tübingen im zweiten Viertel nicht weiter davonziehen konnte. In der zweiten Halbzeit haben wir dann besser verteidigt und im Rebound die Oberhand behalten", so Pohl nach seinem ersten Sieg im ersten Spiel als neuer Cheftrainer der Telekom Baskets Bonn. 

Der Spielverlauf:

Trainer Igor Perovic schickte zu Beginn Jared Jordan, Vladimir Mihailovic, William Buford, Garlon Green und Bogdan Radosavljevic auf das Parkett. Den besseren Start hingegen erwischten die Gäste aus Bonn. Sie fanden zur Freude der mitgereisten Bonner Fans eine gute und erfolgreiche Mischung aus Inside-Game und Drei-Punkte-Würfen und zogen schnell auf 14:8 davon - Auszeit der Tigers in der dritten Minute. Kurz darauf musste auch noch Vladimir Mihailovic in die Kabine mit einer blutenden Wunde, für ihn kam Nick Russell. Es entwickelte sich ein für die Zuschauer ansehnliches Spielchen mit schönen Spielzügen auf beiden Seiten, wobei sich die beiden Trainer angesichts der teils gewaltigen Lücken in den Abwehrreihen wohl eher die Haare rauften. Insbesondere unter dem Tübinger Korb war der Weg für die Bonner oft so weit offen wie ein Scheunentor, was auch die phänomenal gute Trefferquote der Rheinländer von 73 Prozent aus dem Zweierbereich belegte. Zwar trafen die Tübinger mit 88 Prozent noch besser, zur ersten Pause konnte Perovic trotz der guten Offensivleistung mit seinen Schützlingen jedoch nicht uneingeschränkt zufrieden sein.

Beste Phase der Tübinger im zweiten Viertel

Das zweite Viertel begann besser für die Schwaben: Ein Dreier von Green und zwei Zähler von Aleksandar Nadjfeji sorgten für die erste Tübinger Führung in diesem Spiel (34:33, zwölfte Minute). Nach zwei Minuten im zweiten Viertel kam dann auch Mihailovic wieder auf das Feld, der sich unbeeindruckt von seiner Verletzung zeigte und gleich ein Offensivfoul aufnahm. Überhaupt packten die Hausherren, angeführt von ihrem Kapitän Mihailovic, unter dem Korb nun deutlich besser zu und ließen keine einfachen Punkte mehr zu. Vorne wurden sie nun vor allem von Green getragen. Höhepunkt war jedoch ein krachender Alley-Oop von Toarlyn Fitzpatrick auf Zuspiel von Jared Jordan zur 44:38-Führung (15. Minute), der die Fans von den Sitzen riss. In einem absoluten Highscoring-Game führten die Hausherren nicht unverdient zur Halbzeitmit 60:56. Unglaublich bis dahin die Trefferquote der Perovic-Truppe aus dem Zwei-Punkte-Bereich: Sagenhafte 80 Prozent (16/20) der Würfe fanden ihr Ziel.

Der Beginn der zweiten Hälfte ware in Spiegelbild der ersten: Die Tübinger hatten die Verteidigung wohl in der Kabine vergessen, jedenfalls punkteten die Bonner fast unbehelligt und gingen mit einem 7:0-Lauf wieder in Führung (63:60, 22. Minute). Doch die Tübinger ließen sich nicht abschütteln und hielten zunächst Tuchfühlung, ehe ein weiterer 0:6-Lauf Coach Perovic doch zur Auszeit zwang. Eklatante Schwächen in der Pick-and-Roll-Verteidigung galt es abzustellen. Die Justierung der Stellschrauben trug Früchte, da die Gäste nun nicht mehr zu ganz einfachen Punkten kamen. Ärgerlich waren dann die letzten 80 Sekunden, in denen die Bonner acht Zähler erzielten. Somit war der Rückstand vor dem Schlussabschnitt mit 78:88 erstmals zweistellig.

Bonn bringt den Sieg nach Hause

Die Tigers versuchten zu Beginn des vierten Viertels mit einer Zonenverteidigung ihr Glück, doch Baskets-Spielmacher Eugene Lawrence bestrafte dies umgehend mit einem Distanztreffer zum 78:91 (31. Minute). Doch es kam noch dicker für die Raubkatzen. Zwischen zwei Freiwürfen brach bei Mihailovic wieder die Nasenverletzung auf und er musste ausgewechselt werden. In der Folge drohten die Tübinger wie in den letzten Spielen wieder auseinanderzubrechen. Viele Einzelaktionen konnten Perovic nicht gefallen, und er nahm sich sechs Minuten vor dem Ende seine Spieler nochmals in einer Auszeit zur Brust. Vier Minuten vor dem Ende keimte Hoffnung in der Paul Horn-Arena auf, als Jordan per Dreier den Rückstand auf neun Punkte reduzierte (87:96, 36. Minute) und Fitzpatrick mit einem Dunking weiter verkürzen konnte. Doch erneut brachten Einzelaktionen in der Offensive und unerklärliche Löcher in der Verteidigung die Tigers um den Lohn. Die Höchststrafe gab es dann 80 Sekunden vor Schluss, als Aaron White für die Bonner die 100 Punkte voll machte. Am Ende stand ein ernüchterndes 96:109 auf der Anzeigetafel, verbunden mit der erneuten Erkenntnis, dass die Tigers trotz guter Individualisten nur als Team und mit Kampfgeist gewinnen können.

Dschungelgeflüster - der etwas andere Blick auf das Spielgeschehen:

Jordan bleibt in Tübingen: Hallensprecher Jurij Suchowerskyj hatte vor der Spielbeginn ein besonderes Weihnachtsgeschenk für die Tübinger Fans. Die positive Nachricht über den Verbelib des 31-jährigen US-Amerikaners löste bei der Anhängerschaft der Raubkatzen zunächst großen Jubel aus.

Reisenbüchler zu Besuch: Beim Spiel gegen die Telekom Baskets Bonn weilte auch ein ehemaliger Tübinger Spieler in der Paul Horn-Arena. Der 47-jährige Robert Reisenbüchler, von 1989 bis 1992 für die Tübinger auf Korbjagd, besucht über Weihnachten alte Freunde in der Universitätsstadt. Vor über 20 Jahren stand Reisenbüchler mit Thomas Unger, Martin Schall, Steven Key, Roman Opsitaru oder Volker Zürn auf dem Spielfeld. Mittlerweile lebt und arbeitet Reisenbüchler in seiner Heimat Rumänien und betreibt dort mit seiner Frau einen Zahnarztpraxis.

Ensimger Interviewpartner in der Halbzeit: Mit Chris Ensminger gastierte ein ehemaliger Akteur der Telekom Baskets Bonn in der ausverkauften Paul Horn-Arena. Der 42-Jährige spielte viele Jahre im Rheinland an der Seite von Jared Jordan, diesen besucht der Trainer der Oettinger Rockets Gotha über die Weihnachtsfeiertage in Tübingen. In der Halbzeit gab Ensminger ein Interview für telekombasketball.de

Mihailovic mit Platzwunde: In der vierten Minute beim Spielstand von 10:14 musste Vladimir Mihailovic mit einer Platzwunde an der Nase ausgewechselt werden. Im Kampf um den Ball hatte der Tübinger Kapitän einen Schlag auf sein Riechorgan bekommen. Mannschaftsarzt Dr. Jürgen Fritz stoppte die Blutung in der Mannschaftkabine. In der 13. Minute (Spielstand 36:38) kehrte der 25-Jährige auf das Spielfeld zurück.

Der berühmte Trainereffekt: Ein Wechsel auf der Trainerposition ist für einen Verein die letzte Möglichkeit, das Ruder aus sportlicher Hinsicht herumzureißen. So geschehen bei den Telekom Baskets Bonn. Nach 14 Niederlagen in Serie übernahm Carsten Pohl am Dienstag das Amt von Mathias Fischer und führte seine Mannschaft dank einer beherzten und geschlossenen Mannschaftsleistung zu einem 109:96-Auswärtssieg. 


Trainer Igor Perovic tritt zurück


Trainer Igor Perovic ist kurz nach der 96:109-Niederlage gegen die Telekom Baskets Bonn zurückgetreten. "Ich fühle mich leer und benötige eine Auszeit. Die Mannschaft ist gut und sie wird auch wieder Spiele mit neuem Elan gewinnen. Die Zeit in Tübingen war wundervoll und ich werde immer ihr größter Fan bleiben", sagte der 41-Jährige bei der Pressekonferenz. 

Dazu ProBasket-Geschäftsführer Robert Wintermantel: "Ich akzeptiere diese Entscheidung und kann sehr gut nachfühlen, wie es Igor Perovic in diesem Moment geht. Wir hatten schon viele schwierige Situationen und wir werden auch mit unserem geballten Basketball-Knowhow diese Situation meistern! 

Wer nun in Tübingen das Amt des Cheftrainers nach dem überraschenden Rücktritt übernimmt, ist völlig offen. Bereits am kommenden Sonntag müssen die Raubkatzen in Ulm antreten. Die WALTER Tigers Tübingen bedanken sich bei Trainer Igor Perovic für die letzten sieben Jahre als Trainer, ein Jahr als Co-Trainer und drei Jahre als Spieler. Die Raubkatzen wünschen Perovic und seiner Familie alles Gute für die Zukunft. 



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