Der Tübinger Stadtfriedhof

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Friedhöfe sind überall interessante Informationsstätten. Erzählen sie doch auf engem Raum viel über das Verständnis der Menschen zu Leben und Tod, zu ihrem Glauben an Gott und Vaterland und über ihr Werteverständnis im Allgemeinen.

Schwarzer und Weißer Engel im Tübinger Stadtfriedhof

Man erkennt gleich die mächtigen Familien des Ortes, den Stand des Handwerks und der Kunst. Wer die Pflege der Gräber, speziell auch ihre Beleuchtung beobachtet, erfährt viel über den Wert der Ahnen und hat auch eine gute Aussage über die Mobilität der Nachkommen. Aus diesem Grund besuche ich auf meinen Reisen stets auch gerne den Friedhof eines Ortes.

'Mein Geist ins unbekannte Land ...': Dichter und Denker auf Tübinger Friedhöfen von Karl-Josef Kuschel, Tilman Rösch und Wilfried Setzler (2008)

Nimm den Tod persönlich: Praktische Anregungen für einen individuellen Abschied von Fritz Roth und Georg Schwikart von Gütersloher Verlagshaus (2009)

Selbstverständlich gibt es viel größere und interessantere Friedhöfe, wie Père-Lachaise in Paris, den riesigen  Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg, die Friedhofsinsel (Cimitero) in Venedig oder den hochinteressanten Zentralfriedhof in Wien (nach Ohlsdorf der zweitgrößte Europas), aber der Tübinger Stadtfriedhof hat seinen eigenen Reiz. Für viele ist er genau so, wie man sich einen Friedhof vorzustellen hat.

Übersichtsplan Stadtfriedhof Tübingen

Dazu eine umfangreiche Legende zu den Gräbern (m.f.G.v. Andreas Vogt)

Einige Gräber von berühmten Persönlichkeiten
(vom Nordwesteingang aus, die Buchstaben bezeichnen den markierten Abschnitt)

K: Georg Dehio, Ludwig Uhland, Pauline Krone
E: Friedrich Silcher, Friedrich Hölderlin, Eduard Spranger
N: Isolde Kurz, Hermann Kurz
M: Tobias Beck, Anna Schieber, Theodor Häring
P: Ottilie Wildermuth
L: Eugen Nägele
H, G: Paula Zundel, E.-H. Wildermuth, Carlo Schmid, K.G. Kiesinger, J.H.F. Autenrieth, Adolf Schlatter
A: Paul Pfizer

N: Kriegerdenkmal 1870/71
S: Kriegsgräber 1914/18
Z, X: Ehrengrabanlage für Opfer von Krieg u. Gewalt 1935 - 1945

Z  X
R Q P O T
N   M   L  S  S
V   K   J  H  G  F
W   U  E  D  C  B  A
Gmelinstraße 

Klein und übersichtlich, mit vielen Sitzgelegenheiten und einer guten Orientierungshilfe zu den Prominentengräbern lockt er viele Besucher an. Jedoch auch Studenten und Studentinnen aus dem nahen Kupferbau oder den Kliniken, die in ihm eine kurze Denkpause einlegen, schätzen ihn. Viele Spaziergänger durchqueren ihn gerne, bietet er doch eine erbauliche Alternative zu den Fußwegen an den vielbefahrenen, lauten Straßen, die den Friedhof begrenzen. Und viele Touristen kommen zu ihm, sei es um die Gräber der Prominenz zu besuchen oder einfach um ein Stück deutscher Kulturgeschichte zu erleben.

Neues Musiker Grab am Tübinger Stadtfriedhof

Zum Glück wird nach langem Hin und Her der Stadtfriedhof nicht nur als Park, sondern ab 1.7.2001 weiterhin als aktiver Friedhof, neben dem wesentlich grösseren Bergfriedhof, der Tübinger Bevölkerung erhalten bleiben.

Kiesinger Grab am 100.Geburtstag von Kurt Georg Kiesinger

Übrigens ist der Stadtfriedhof keineswegs nur ein Prominenten-Friedhof. Neben einigen Prominenten fanden viele einfache Bürgerfamilien hier ihre letzte Ruhestätte.

Eugen Nägele Grab im Tübinger Stadtfriedhof

Und einige prominente Tübinger Bürger, wie Ernst Bloch (+1977), sowie seine Frau Karola (+1994) haben am Bergfriedhof im Süden der Stadt ihr Grab. In den Tübinger Stadtteilen gibt es weitere 11 Friedhöfe.

Toiletten befinden sich ganz zentral im Verwaltungsgebäude an der Gmelinstraße. Der Friedhof ist immer geöffnet.

Hirschkäfer im Stadtfriedhof Tübingen

Hirschkäfer im Stadtfriedhof Tübingen


Die fleißigen Friedhofsgärtner beim Rasenmähen

Wer ein Grab im Stadtfriedhof haben möchte, sollte sich eine Pflegepatenschaft für ein Wahlgrab überlegen. Zur Zeit ist die Auswahl dafür noch relativ groß, das wird sich sicher ändern, wenn diese Möglichkeit allgemein erkannt wird. Auskunft bei der Friedhofsverwaltung der Stadtbaubetriebe (SBT), z.B. Frau Fröschke, Tel 07071 - 204 - 1259, Sindelfingerstr. 26. Ich selbst habe mir sofort ein Grab ausgesucht und erfreue mich täglich, wenn ich daran vorbeigehe, meines Lebens und der Gewissheit, einmal eine schöne Ruhestätte mit einem Kulturdenkmal zu haben.

"Mein Grab" im Stadtfriedhof

Hinweis zum Kriegerfriedhof

An der Übersicht der verschiedenen Abschnitte, die durch Großbuchstaben gekennzeichnet sind, kann man die Entwicklung des Friedhofs nachvollziehen

Z  X
R Q P O T
N   M   L  S  S
V   K   J  H  G  F
W   U  E  D  C  B  A
Gmelinstraße    

 

Beginnend von A (Eingang Parkplatz Kupferbau) hat sich der Friedhof zuerst nach Westen und später nach Norden ausgedehnt. Bei A sollte man auch mit der Besichtigung beginnen.

Das älteste noch erhaltene Grab am Tübinger Stadtfriedhof, das von Jacob Conrad Schweickhardt

Das älteste Grab ist das von Jacob Conrad Schweickhardt (+1830) in B. Ganz in der Nähe dürfte auch das erste Grab des Stadtfriedhofs gewesen sein, nämlich das von Jacob Engelfried, der am 30.November 1829, einen Tag nach der offiziellen Eröffnung, begraben wurde. Dieses Grab existiert nicht mehr, aber der Straßenname Engelfriedshalde erinnert immer noch an diese Familie.

Das Ernst Bengel Grab, der älteste Grabstein im Tübinger Stadtfriedhof

Der älteste Grabstein ist an der Südmauer der Kapelle (Ernst Bengel, +1798). Einen großen Raum nimmt der Friedhofsteil für die Opfer des Ersten Weltkriegs ein.

Opfer des Ersten Weltkriegs

Opfer des Ersten Weltkriegs im Stadtfriedhof von Tübingen


In unmittelbarer Nähe zum Stadtfriedhof sind in der Wildermuthstraße zwei Gärtnereien, die die meisten Gräber pflegen. Und man findet da auch die Tagesklinik, sowie andere bemerkenswerte Häuser, z.B. die Pankok-Jugendstil-Villa.

Friedhofsgärtner Kaipf bei der Arbeit

Und von der Wildermuthstraße die Treppe runter über der Sigwartstraße geht es zum Johanneumkonvikt, an das auch viele Tübinger Erinnerungen haben werden. Es ist inmitten der Stadt  - wie der Stadtfriedhof - eine wunderbare (allerdings private) Oase, die im Jahre 2000 hundert Jahre alt wurde.


Das Johanneum

Das Johanneum am Tag des Offenen Denkmals 2003

Das Johanneum am Tag des Offenen Denkmals 2003

Das Johanneum am Tag des Offenen Denkmals 2003


Manche der Prominentengräber, die auf den beiden großen Friedhöfen gesucht werden,
sind auf den Friedhöfen der Stadtteile. Hier einige Gräber vom Lustnauer Friedhof.
Er ist leicht mit dem Bus 1 erreichbar, Haltestelle Wolfsbaumweg.

Grab von Viktor Renner, 1899 - 1969, Ehrenbürger der Stadt Tübingen und Innenminister von Baden-Württemberg

Grab von Peter Gössler, 1872 - 1956, Archäologe und Prähistoriker

Grab von Stadtoberarchivrat Dr. Jürgen Sydow

Grab des Lustnauer Bürgermeisters (Ortsvorsteher) Hans Rath

Grab von Bruno Baron von Freytag Löringhoff, Professor der Philosophie

Grab des Lyrikers Paul Hoffmann, Poeta Legendi

Lustnauer Freidhof

Mehr zu Tod und Trauer

Links zu Bestattungsdiensten und - Instituten: Flunkert, Gommel, Rilling & Partner

Steinmetze und Anbieter von Grabmälern findet man im Branchenverzeichnis

Bei der Stadtverwaltung gibt es umfangreiche und nützliche Informationen zu allen Tübinger Friedhöfen

Bernd Walter vom Bereich Friedhofswesen der SBT

Die kompetente Informationsquelle zum Stadtfriedhof:
Helmut Hornbogen: Der Tübinger Stadtfriedhof

Wer sich aus der Ferne über Todesanzeigen informieren will, kann den ausgezeichneten
Tagblatt Service dafür in Anspruch nehmen.

Ein virtueller Friedhof mit vielen Foto-Motiven aus Tübingen: Der ewige Garten

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© (P) 2007 Otto Buchegger Tübingen                             tuepps.de/stadtfriedhof.html